Brief ans Christkindl

von Rudolf Hägni

Christkindlein, liebes, ich bitte dich sehr,
es dauert ja nun nicht lange mehr.
Bring mir doch wieder ein neues Kleid,
für meine Puppe, die Adelheid.

Das alte ist schon ganz abgeschoßen,
und einmal Sirup darüber gefloßen.
Da hat es einen Flecken gegeben.
Die rote Farbe blieb daran kleben.

Wir haben sie nicht mehr auswaschen können.
Nun will ich noch etwas anderes nennen.
Ich wage es dir zwar fast nicht zu schreiben.
Wenn es zuviel ist, laß es nur bleiben!

Eine Puppenküche wünscht ich mir noch.
Die alte Pfanne hat nämlich ein Loch.
Ich glaube der Rost hat sie angefreßen.
Es ekelt einen, daraus zu eßen.

Und zudem ist sie für mich jetzt zu klein.
Auch Schlittschuhe wären natürlich fein.
Schlittschuhfahren ist gar zu schön.
Ich möchte mit meinem Bruder gehn.

Aber die kannst du nächstes Jahr bringen,
weißt, ich möchte nicht alles erzwingen.
Doch wenn du mir lieber die Schlittschuhe schenkst,
ist’s auch recht. Wenn du nur nicht denkst,
daß ich viel zu unbescheiden sei
mit meinen Wünschen, es sind ja schon drei.

Das möchte ich nicht, das täte mir leid.
Bring du nur einfach, soviel dich freut.
Dann wird es mir sicher auch Freude machen.
Du bringst ja keine unnützen Sachen.
Jetzt bin ich am Ende. Noch einen Gruß
vom Marteli Stocker im “roten Huus”.

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